Freitag, 18. Mai 2007

Besser spaet als nie

Der letzte Wochenend-Eintrag wurde bestimmt von einigen schon vermisst, aber im Moment geht es in großen Schritten auf das Ende des Semesters zu und das bedeutet nicht nur in Deutschland, sondern auch hier eine Menge Arbeit. Und weil ich heute die Note für unser Referat und Ausarbeitung bekommen hab - „high distinction“ also eine Eins – gönne ich mir einen faulen Abend mit ner Flasche australischem Shiraz und nem Paket Tim Tam „Double Chocolate & Raspberry“ Kekse und schreibe endlich meinen wöchentlichen Eintrag. Die halbe Flasche ist schon leer, wenn also ein paar Tippfehler oder Ungereimtheiten erscheinen bitte ich schonmal um Verzeihung!
Am vergangenen Freitag waren Eva und ich auf dem Queen Victoria Market. In den über 100 Jahre alten Markthallen, teils geschlossene Gebäude, teils nur Dach-Konstruktionen, sind mehr als 1000 Verkaufsstände aufgebaut. Überwiegend werden Lebensmittel verkauft (Eva hat einige sehr kreative Gemüsebilder für den Foto-Kurs geschossen) aber auch Schuhe, Souvenirs und anderes Gedöns kann man dort käuflich erwerben. Ich glaube ich muss da nochmal hin und endlich ein anständiges Paar geschlossene Schuhe kaufen...
Jedenfalls hab ich mich ernsthaft gefragt, warum ich dort nicht schon früher hingefahren bin: Statt wie im Supermarkt 9,50 Dollar für ein Kilo Paprika (ca 6 Euro – die Dürre hinterlässt Spuren) kostet hier das Kilo etwa 3 Dollar, also etwa 1,80 Euro. Ich finde diesen Preisunterschied sehr erstaunlich, weil in Deutschland der Markt ja in der Regel teurer ist als der Supermarkt. Ach ja, eine Ananas war für einen Dollar – 60 Euro Cent – zu haben. Da musste ich doch reichlich Obst und Gemüse mit nach Hause schleppen. Hab die ganze Woche Pasta mit Paprika, Auberginen und Zucchini gegessen. Sehr lecker, aber jetzt kann ich's nicht mehr sehen.
Am Abend war dann Disco angesagt: Juliane, Eva und ich wollten das Melbourner Nachtleben unsicher machen. Haben wir auch. Ins Marquee ging's – natürlich mit bereits angestiegenem Pegel – und was sich im Internet wie DIE Großraumdisco angehört hat, war in Wirklichkeit ein Mini Tanzschuppen mit Dorfdisco-Charme. Egal, ich hab die Männer meine Getränke bezahlen lassen und hab nonstop gezappelt. Und wenn die Mädels nicht schon ne ganze Ecke früher hätten gehen wollen, dann hätte ich die ganze Nacht durch getanzt. Aber ich fand, alleine zu bleiben hätte dem spendablen Typen der um mich herumtanzte ein falsches Signal gegeben (der war Autohändler und kein Schafzüchter, sonst hätte ich natürlich anders gehandelt – nur damit meine Familie nicht glaubt, ich hätte meine Mission vergessen).
Ziemlich verkatert ging es dann am Samstag ins Melbourne Gaol, eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Pionierzeit. In dem 1851 errichteten Gefängnis wurden bis 1923 über 100 zum Tode Verurteilte gehängt, unter ihnen auch Ned Kelly, Australiens bekanntester Buschräuber. Der hat hier in etwa den Status von Robin Hood, nur dass er das Geld aus seinen Bankrauben einfach behalten hat, schließlich war er ja selbst arm genug dran. Jedenfalls steht er als Nationalheld für das Aufbegehren gegen ungerechte Autoritäten und total männlichen Mut. Die komische Blechruestung auf dem Bild war seine kugelsichere Weste. Hat ihm aber nicht viel genutzt, nach knapp dreissig Kugeln in seinen Armen und Beinen war an Flucht nicht mehr zu denken und er wurde geschnappt. Seine letzten Worte am Galgen waren wohl: „Ich denke, es musste so kommen“, na wenn das nicht Testosteron geladen ist... Seine Geschichte wurde uns von zwei Schauspielern näher gebracht, die immer wieder ihre Rollen wechselten. Sehr nett.
Sonntag durfte ich dann endlich meinen Kater auskurieren und das war dann auch schon mein Wochenende.








Am Donnerstag waren wir im Immigration Museum. Der Australien Society Kurs hatte den Auftrag da durch zu marschieren und ein bisschen Kultur kann ja nicht schaden. Ich muss zugeben, unsere Anreise war doch ein bischen komfortabler als die schiffstour der ersten Siedler.
Da ich ehrlich und wirklich mit Studieren beschäftigt bin, werden meine nächsten Wochenende vermutlich nicht allzu spannend. Aber nur noch 28 Tage, dann geht es ins rote Herz Australiens, zum Uluru. Und nur noch unglaubliche 35 Tage, dann ist Benny schon bei mir und wir machen uns auf den Weg nach Sidney und zum Great Barrier Reef und zum Kakadu National Park. Hach, ich freu' mich jetzt schon!

1 Kommentar:

Janita hat gesagt…

Sidney???? Wie leer ist denn die Flasche gewesen als du so weit unten im Text angekommen bist? :o) Gott bin ich froh, dass meine stressige Zeit rum ist, aber ich fühle mit dir. Liebe Grüße nach Down Under...Janita