Montag, 23. April 2007

Wie versprochen!





Wie versprochen hab ich dieses Wochenende nicht wieder komplett im Bett verbracht. Freitag Abend waren wir auf einer Masken-Party. Wie Mädchen nunmal so sind, haben wir uns auf den Weg in den Kostümladen nebenan gemacht (wirklich bei mir nebenan) und haben alle Masken anprobiert, die das kleine Geschäft zu bieten hatte. Und die wir uns leisten konnten. Natürlich haben wir uns dann für das glitzerndste und federigste Modell entschieden, dass uns passte. (Das Foto war eigentlich anders geplant, aber geht auch so.)
Dann ging es auf die Party. Natürlich mit reichlich Verspätung damit der Auftritt besser wirkt. (Eigentlich war Eva nur zu spät bei mir aufgetaucht, weil sie in die falsche Bahn gestiegen ist – näheres bestimmt in ihrem Blog – und dann haben wir die Bahn am Treffpunkt mit den anderen Mädels knapp verpasst, und letztendlich sind wir dann auch noch in die falsche Richtung gelaufen, als wir das Party-Haus gesucht haben.) Und die Party war – öde. Die meisten (oder besser, die paar die mit Maske kamen) hatten ihren Kopfschmuck bereits abgenommen oder auf den Hinterkopf gedreht. Die ersten Schnappsleichen sind aus der Hintertür verschwunden, um sich die Sangria nochmal durch den Kopf gehen zu lassen und es war irgendwie niemand da, mit dem ich mich gerne ein paar Stunden unterhalten hätte/ den Kopf abgeschraubt hätte. Also sind wir pünktlich zur letzten Bahn marschiert anstatt ein Taxi zu nehmen. Die Bahn kam auch prompt und wir sind zügig – in die falsche Richtung gefahren. Haben wir aber erst an der Endhaltestelle bemerkt. Also mussten wir doch noch ein Taxi nehmen, dass uns dann um so zügiger in die Stadt bringen sollte, damit wir dort wenigstens noch unsere Bahnen erwischen.
Am Samstag bin ich dann um acht aufgestanden. Allerdings nicht freiwillig. Meine Nachbarn haben einen neuen Fernseher. Oder DVD Player oder was auch immer, jedenfalls haben sie morgens um acht einen Bollywood-Streifen eingeworfen und in einer Lautstärke, dass ich senkrecht im Bett saß. Energisches Klopfen an die Wand hat nichts gebracht – wahrscheinlich haben sie es gar nicht gehört, der Fernseher war ja so laut. Und an Schlaf war dann einfach nicht mehr zu denken.
Aber all zu lange hätte ich ja eh nicht mehr schlafen können, schließlich wollten wir uns an diesem sonnigen Tag den Melbourner Zoo angucken. Gut, dass ich mich eigentlich zu warm angezogen hatte, denn als wir den Zoo betraten fing es an zu regnen und hörte den ganzen Nachmittag nicht wieder auf. Wir hatten uns den einzigen Regentag im gesamten April ausgesucht. Weil wir anscheinend nicht die einzigen waren, die vom ersehnten – weil dringend gebrauchten – Regen überrascht wurden, waren die Regenmäntel bereits ausverkauft als wir triefend im Zoo-Shop ankamen. Also haben wir uns die kläglichen Reste eines Mantels aus dem Müll geben lassen, um us Kapuzen zu basteln. War mehr ein psychologischer Effekt als ein Regenschutz.
Ach ja, der Zoo war übrigens schön. Und wir haben das berühmt berüchtigt Schnabeltier - Platypus in der australischen Sprache - gesehen. Das Schnabeltier ist nachtaktiv, deshalb war es sehr dunkel in dem Gehege. Eine Mischung aus zu klein geratener Biber und Ente, falls ihr es auf dem Bild nicht richtig erkennen könnt. Eines der zwei eierlegenden Säugetiere der Welt. Das andere ist so eine Art Igel, natürlich auch in Australien beheimatet.

Die meiste Zeit haben wir bei den Affen verbracht, die uns eine echte Show geboten haben: Die Brüllaffen haben akrobatische Schaukeleinlagen geliefert und der Orang-Utan Papa hat mit seinem Sohnemann eine Kissenschlacht veranstaltet. Beides war überdacht – sehr schön. Genauso wie das Schmetterlingshaus, in dem Schwärme dieser hübschen bunten Zeitgenossen wild durch die Gegend flatterten. Außerdem war's da kuschelig warm.
Kuschelig warm war dann auch der restliche Abend auf dem Sofa mit Decke und Tee und trockenen Klamotten.
Sonntag war dann Hausaufgaben machen angesagt. Ja ich studiere hier auch! Heute habe ich meine Note für den ersten Fernsehbeitrag bekommen: 72 % , damit kann ich mich anfreunden. Nicht glorreich, aber ich hab ja noch einen zweiten Beitrag zu machen. Und immerhin „gut“.
Am Mittwoch ist besagter ANZAC Day, wer meinen Blog fleißig verfolgt, weiß dass ich da frei hab. Und Donnerstag und Freitag hab ich keine Vorlesung, mal sehen, was ich mit der vielen freien Zeit so anfange.

Donnerstag, 19. April 2007

So ist das...

Fuer alle, die einen Wochenend-Eintrag vermisst haben: Mein vergangenes Wochenende war langweilig, und das war gut so! Nach Tasmanien hab ich dringend ein bisschen Gammel-Zeit gebraucht. Ausserdem hatte ich reichlich Hausaufgaben zu erledigen, was auch nicht gerade nervenaufreibend war. Zumindest nicht im positiven Sinne.
So, meine erste Hausarbeit/Aufsatz hab ich zurueck, eine glatte zwei, da kann ich mit zufrieden sein. Und mein erstes Referat hab ich auch hinter mir, war auch nicht schlecht.
Und hiermit gelobe ich feierlich, dass ich diese Wochenende wieder zahlreiche Unternehmungen starte und ihr wieder ganz viel zu lesen habt.

Donnerstag, 12. April 2007

Tasmanien oder Van Diemen's Land

Ich warne schonmal vor diesem Eintrag! Er ist lang. Wirklich lang. Und ich habe mich immer ueber zu lange Eintraege bei anderen Bloggern beschwert. Naja, trotzdem viel Spass beim Lesen.



Um dem harten Uni-Alltag zu entfliehen haben wir (die fünf Bremer Hochschul-Mädels) mal einen kleinen Urlaub eingelegt: Die Osterferien haben wir in Tasmanien verbracht. Jetzt brauch ich wirklich Urlaub.
Aber von vorne. Am vergangenen Mittwoch haben wir uns abends um neun in den Flieger nach Hobart in Tasmanien gesetzt. Die Insel hiess erst Van Diemon's Land, wurde aber spaeter nach ihrem Entdecker benannt. Nach einer Stunde Flug sind wir in der Inselhauptstadt gelandet und haben uns auf den Weg in unser Backpacker gemacht (Nochmal kurze Erklärung: Backpacker sind so eine Art Jugendherbergen mit Selbstverpflegung, überwiegend von Rucksacktouristen besucht. Backpack = Rucksack). Am nächsten Morgen wurde dann ausgiebig gefrühstückt und anschließend die Stadt unsicher gemacht. Hobart zählt etwa 200 000 Einwohner und gilt laut Reiseführer zu den schönsten Städten Australiens, dass kann ich allerdings nur bedingt bestätigen. Der Salamanca Place, mit einer Reihe von Sträflingen erbauten Sandsteinhäusern, in denen man heute Cafes und Kunsthandwerk findet, war wirklich sehr schön.
Der Rest war nett, aber nicht atemberaubend. So wie der Ausblick vom Hafen, den ihr oben seht.
Vielmehr hat uns die Suche nach einem Mietwagen den Atem geraubt. Vermutlich wegen der Osterferien gab es bei einigen Firmen keine Autos mehr, in die fünf Mädels mit Gepäck gepasst hätten. Schlussendlich haben wir dann aber einen fahrbaren Untersatz organisiert und konnten am Karfreitag unsere Tasmanienrundreise starten.




Zunächst ging es zum Tahune Forest Air Walk. Auf Metall-Brücken ging es durch die Wipfel des Regenwalds.

Die höchsten Eukalypten werden 80 Meter hoch und die Aussichtsplattform über dem Huon River hing in schwindelerregenden und sehr wackeligen 600 Metern Höhe (laut Reiseführer, kam mir aber irgendwie hoch, aber nicht sooo hoch vor). Ausserdem haben wir den schwersten Baum Australiens besucht: Der Big Tree wiegt vermutlich 405 Tonnen (Formel kann auf Anfrage nachgeliefert werden), soviel wie vier ausgewachsene Blauwale. Damit wird er nur noch von den Mammutbäumen geschlagen.
Weiter ging es wieder zurück an Hobart vorbei und nach Port Arthur. Dort haben wir uns die Überreste der 1830 errichteten Strafkolonie angesehen.


Aber schließlich sind wir Abenteurer, deshalb haben wir nicht eine einfache Führung gebucht, sondern die Ghost-Tour gemacht: Nach Einbruch der Dunkelheit werden Gruppen mit Öllampen durch die Ruinen geführt, in denen hunderte den Tod fanden, gefoltert wurden und Zwangsarbeit leisteten. Hier wurde eine neue Art Gefangenschaft erprobt: Um die fehlgeleiteten armen Hirne der Gefangenen in die richtigen Bahnen zu leiten, wurden schwere Fälle in Einzelhaft gesteckt. In Zellen ohne Licht und völlig schallisoliert sollten die armen Seelen wieder zu sich finden. Oft haben sie sich danach in der Abteilung für psychisch Kranke wiedergefunden. Auf dem Bild seht ihr einen kleinen Teil der Ruinen bei Tag. Sieht eigentlich gar nicht furchteinfloessend aus. Eher wie eine nette Parkanlage.
Natürlich wurden entsprechende Anekdoten zum Besten gegeben: Von der mysteriösen 'Lady in Blue', von Stimmen, die aus den Wänden kommen und Kindergesichtern, die plötzlich vor den Fenstern im ersten Stock erscheinen. Auch ich hatte eine Begegnung der übernatürlichen Art: Während wir in der Gruppe den Geschichten der Führerin lauschten, hat jemand an meinen Rucksack gezupft. Ich stand aber ganz am Rand der Gruppe und niemand war hinter mir. Vermutlich ist einfach das Wasser in meiner Flasche im Rucksack hin und her geschwappt. Umdrehen und nachsehen wollte ich aber nicht...
Nachdem wir dann eine Nacht auf einem Campingplatz in drei(!)stöckigen Hochbetten verbracht haben, ging es in einen kleinen Zoo, um die berühmt berüchtigten Tasmanischen Teufel zu begutachten. Der Tasmanische Teufel ist quasi die Hyäne Australiens (Danke Eva für diesen Vergleich). Das einzige fleischfressende Beuteltier der Welt ist als Jäger denkbar ungeeignet: Er kann nur schlecht sehen, die Beine sind kurz und langsam und besonders schlau ist der kleine Teufel auch nicht. Dafür kann er mit seinem Gebiss jeden Knochen brechen und das gefundene Aas wird komplett mit Knochen und Fell verspeist. Er kämpft ausgiebig und gerne um alles: Um Futter, um Partner, um Schlafplätze und um alles andere. Das konnten wir dann auch ausgiebig bei der Fütterung beobachten. Drei Teufel übten sich in wildem Tauziehen. Ich glaube bei der Keilerei um das kleine Stück Wallaby-Haut haben die Teufel mehr Kalorien verbraucht als gefressen. Zu allem Überfluss droht dem Teufel nun das gleiche Schicksal wie dem Tasmanischen Tiger: Durch eine krebsartige und tödlich verlaufende Krankheit ist der Tasmanische Teufel vom Aussterben bedroht.
Danach ging es die Ostküste rauf in Richtung Freycinet National Park. Und in eine kleine Käserei. Für unglaubliche 15$ durften wir durch eine Glasscheibe den einzigen Milchbottich begutachten, die Melkanlage sehen, Schafe füttern und ein winziges Stückchen Käse probieren. Wir wollten zuerst einfach gehen ohne zu bezahlen, haben uns dann aber doch nicht getraut. Wir konnten auch irgendwie nicht glauben, dass das wirklich 15 $ pro Person kosten sollte. Sollte es aber. Naja, weiter gings.
Tasmanien ist etwa so groß wie Bayern und die Straßen schlängeln sich die meiste Zeit in steilen Serpentinen um die Berge. Ich würde die Landschaft als eine Mischung aus irischen Wiesen und Steilküsten, skandinavischen Moor- und Seelandschaften und Regenwald beschreiben.
Die weißen Sandstrände und rötlich schimmernden Granitfelsen sind einfach unbeschreiblich schön. Besonders empfohlen wurde uns die Wanderung auf den Mount Amos mit Blick auf die Wineglass Bay – einem unberührten Strand. Gesagt getan. Ein dezenter Hinweis, dass der Weg schwierig, steil und rutschig ist wurde von uns ignoriert und wir sind losgestiefelt. Ich hatte mich auf eine Tour gefasst gemacht, wie der „Nur für Geübte“ Abstieg vom Hochgrat im Allgäu, aber der war ja gar nichts gegen den Mount Amos: Es fing ganz harmlos mit einem Kiesweg an, wurde zu steilen in Stein gehauenen Stufen, und endete mit auf allen vieren aufwärts kriechenden und schnaufenden Studentinnen, die sich an jedem Busch festkrallten und versuchten, nicht nach unten zu gucken. Aber endlich auf dem Gipfel angekommen wurden wir für alle Strapazen entschädigt - der Ausblick über Berge, einsame Buchten mit glasklarem Wasser und das Meer war mein persönlicher Höhepunkt des Urlaubs. Dazu kam der Glückshormon-Kick, dass wir es tatsächlich bis auf den Gipfel geschafft hatten. Beim Abstieg zitterten meine Oberschenkel und teilweise sind wir mehr auf dem Hintern Richtung Tal gerutscht als gekraxelt, aber wir sind noch vor dem Sonnenuntergang wieder am Auto angekommen und es ging weiter Richtung Launceston, der zweitgrößten Stadt Tasmaniens.
In Launceston haben wir über einem irischen Pub genächtigt. Ilka und Juliane haben es sich nicht nehmen lassen noch ein bisschen im Untergeschoss zu feiern, aber ich war einfach zu geschafft, durchgeschwitzt und kaputt, um mich bei einem Cider zu amüsieren. Also bin ich nur noch halbtod ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen standen wir bei Supermarkt-Öffnung vor der Tür und haben für unser Osterfrühstück eingekauft. Ostern ohne Frühstückseier geht einfach nicht (Rührei aus der Microwelle: Klappt hervorragend wenn der Herd mal nicht funktioniert).
Die 90 000 Einwohner große Stadt ist uns auf Anhieb sehr sympatisch gewesen: Viele alte Häuser und hübsche Parkanlagen. Mitten durch die Stadt führt eine Schlucht, die wir dann natürlich auch noch erkunden mussten. Wir haben allerdings auf den Zick Zack Weg verzichtet, die steile Straße zurück hat uns für diesen Tag gereicht.
Weiter gings nach Devenport, wo die Fähre von Melbourne anlegt. Hier haben wir uns nur den Strand angesehen und einen Cappuccino getrunken, der Stadtrundgang hätte in der winzigen Stadt ohnehin höchstens eine halbe Stunde gedauert. Außerdem wollten wir einigermaßen zeitig in unserem Nachtlager in Queenstown ankommen. Die Kleinstadt ist vom Bergbau geprägt und besteht im wesentlichen aus der Mine, einem Campingplatz, einem Supermarkt und einem Pub. Wir haben in Lodge auf dem Campingplatz genächtigt. Das mit Abstand schönste Zimmer auf dieser Reise. Wir hatten unser eigenes sechs Personen Zimmer mit eigenem Bad und kleiner Teeküche. Und Fernseher. Sehr entspannt.
Von Queenstown ging es dann in den viel gelobten Cradle Mountain National Park. Mit Bussen wurde wir ins Zentrum des Parks gefahren und dann sind wir zwei Stunden um einen wunderschönen Bergsee gewandert. Durch Heidelandschaft und Regenwald, immer mit dem Plätschern der Wellen an der Seite – sehr idyllisch.
Der Tag war noch lange nicht vorbei und schließlich sind wir im Wander-Training, deshalb haben wir noch einige kleinere Spaziergänge im Park unternommen und uns Wasserfälle und mumelnde Gebirgsflüsse angesehen.
Nach einer weiteren Nacht in unserer kleinen Hütte in Queenstown ging es wieder zurück in Richtung Hobart auf dem Lyell Highway durch eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Australiens. Südlich der Straße liegt der Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Der Name ist hier Programm: Immer wieder haben wir angehalten, um Wasserfälle und Bergpfade zu entdecken. Wie die Nelson Falls... Außerdem grenzt der Mount Field National Park an den Highway, in dem die viel fotografierten Russel Falls liegen. Der in

Treppen abfallende Wasserfall ist leider nur halb so spektakulär, wenn wenig Wasser fließt. So wie bei uns.

Und hier die Russel Falls



Am Abend sind wir dann wieder sicher in Hobart angekommen, nach einer kleinen Kaffee-Pause in New Norfolk – der Hopfen-Hauptstadt Australien. Damit sind wir einmal um Tasmanien gefahren und es hätte auch nicht weniger als eine Woche dauern dürfen. Wir haben längst nicht alle Sehenswürdigkeiten besucht und durch die gewundenen Straßen können 30 Kilometer auch gerne mal eine Stunde dauern. Und nach dem ganzen marschieren und ghequatsche brauch ich erstmal ein ganz entspanntes Wochenende. Weitere Randnotizen im nächsten Eintrag.

Randnotizen

Mal von den schönen Touren und Ausflügen abgesehen haben wir natürlich noch viel mehr Eindrücke gesammelt, die aber den Reise-Eintrag gesprengt hätten.
Zum Beispiel ist Tasmanien das Land der toten Tiere. Nicht weil der Tasmanische Tiger ausgestorben ist, sondern weil die Straßen gepflastert sind mit platt gefahrenen Wallabys, Kängurus, Wombats, Kaninchen und Vögeln. Alle hundert Meter liegt ein mehr oder weniger frisches totes Tier, dass von Raben auseinandergepflückt wird. Im Zoo haben wir gelernt, dass das vermutlich daran liegt, dass es in Tasmanien sehr viele Tiere gibt und das einzige Raubtier ist der Tasmanische Teufel, der wie gesagt als Jäger nicht sonderlich talentiert ist. Und die kurvigen Straßen tun ihr übriges dazu. Zum Glück haben wir nur bereits tote Tiere überrollt. Der Wombat auf der Strasse hat nochmal Glueck gehabt. Aber wir haben es auch so gut es ging vermieden nachts zu fahren.
In Tasmanien regnet es übrigens etwa 300 Tage im Jahr. Aber wenn Engel reisen, dann scheint natürlich eine Woche lang die Sonne bei sommerlichen Temperaturen. Ich hatte keine kurzen Hosen oder Röcke mitgenommen, schließlich ist es in Tasmanien ja immer alt und regnerisch. Also war Schwitzen angesagt. Sehr angenehm mit fünf Leuten in einem Peugot 307.
Den ersten Ärger hatten wir gleich am zweiten Morgen. Nachdem wir umständlich ein Auto organisiert hatten, wollten wir früh am Karfreitag abfahren, schließlich hatten wir nicht allzu viel Zeit auf der grünen Insel. Aber die Rezeption war geschlossen. Und wir hatten unseren Schlüssel-Pfand noch nicht wieder. Also habe ich einen eher unfreundlichen Brief und die Schlüssel in den Briefkasten geworfen. Zum Glück haben wir dann am Dienstag doch noch unseren Pfand wieder bekommen, die Dame an der Rezeption hatte verschlafen.
Apropos Auto: Leider durften Claudia und ich nicht fahren, weil wir noch keine 25 sind. Das hätte zu viel an extra Versicherung gekostet. Auf den langen Fahrten mussten wir uns also die Zeit vertreiben (die anderen natürlich auch) und weil Nummernschilder-Raten bei null Verkehr mal wenig spannend ist und weil bei „Ich sehe was, was du nicht siehst“ immer ein grüner Baum/Busch/Gras die Lösung gewesen wäre, haben wir lustige Charakter-Spiele gespielt. Mein Ergebnis: Wäre ich ein Möbelstück, wäre ich ein antiker Sekretär oder ein Ohrensessel. Wäre ich ein Körperteil, dann wäre ich ein Mund. Als Küchengerät wäre ich ein Schneebesen und als Auto ein Kombi. Das hätten wir also geklärt. Außerdem sehen mich die anderen Mädels als nah am Wasser gebaut (ich war die einzige, die am Flughafen heulen musste), penibel und praktisch veranlagt. Ich muss ein bisschen an meinem Image arbeiten, glaub ich.
Ich bin überhaupt immer wieder erstaunt, wie gut wir uns verstehen, obwohl eine Woche auf so engem Raum auch wirklich genug ist. Wir waren uns sehr schnell einig, was wir uns ansehen und unternehmen wollen, auch wenn wir dabei meist ein sehr unterschiedliches Tempo an den Tag gelegt haben. Eva und Juliane sind in der Regel voran gestürmt, dann kamen Ilka, Claudia und ich. Ich kann nunmal nicht Gehen und Gucken gleichzeitig, das endet immer in Stolpern und Umknicken.
Außerdem habe ich bestimmt reichlich Kalorien verbrannt aber mindestens das doppelte wieder in mich hineingeschaufelt. Ich habe das Gefühl, ich habe im Auto ununterbrochen gegessen. Jetzt ist erstmal Diät angesagt. Schließlich ist jetzt HALBZEIT bis Benny kommt! Ich muss also dringend anfangen, wieder in Form zu kommen. Kaum zu glauben, dass tatsächlich schon die Hälfte des Semesters rum ist. Auch wenn es Benny bestimmt viel länger vor kam, ich hab das Gefühl, ich bin gerade erst angekommen. Und irgendwie möchte ich manchmal doch schon alles hinter mit haben und nach Hause. Und wenn ich hier am Flughafen stehe, dann fang ich wahrscheinlich wieder an zu Heulen (das ist bei mir ja anscheinend so üblich), weil ich gar nicht wieder weg will. Abwarten. Und natürlich den nächsten Urlaub planen.
Ich weiss, ihr habt jetzt schon ganz viele Kangaroo Bilder gesehen, aber die sind einfach sooo niedlich!

Sonntag, 1. April 2007

Australian Society

Donnerstag war mal wieder australische Kultur angesagt: Wir haben den Shrine of Remembrence – den Schrein der Erinnerung – besucht. 1935 wurde diese Gedenkstätte zu Ehren der Opfer im ersten Weltkrieg errichtet. Das Vorbild für das Gebäude war des Grab des Mausol, oder Mauso, oder so ähnlich, heute als eines der antiken Weltwunder unter Mausoleum bekannt. Das British Empire hat damals die Australier an die Front in die Türkei geschickt, obwohl Australien damals schon unabhängig war. Über 30 000 Soldaten sind an der Küste von den Türken erschossen worden, weil die Strömung sie an die falsche Stelle gespült hat. Für ein Land wie Australien sind 30 000 Männer verdammt viel. Praktisch jede Familie hatte ein Mitglied verloren.
Aus dieser Geschichte ist so eine Art Helden-Mythos entstanden, über mutige Bush-Männer, die ihr Leben geben für ihren Kumpel - „mate“- und loyal zur Krone standen. In diesem Shrine wandert also ein Sonnenstrahl am 11.11. um 11 Uhr, als die Soldaten in der Türkei landeten, (Karneval ich weiß, aber das sollte man denen hier lieber nicht auf die Nase binden...) über das Wort „Love“ in einer Gedenktafel. Für die zahlreichen Touristen und natürlich gedenkenden Australier wird das ganze künstlich im Stundentakt wiederholt.
Am 25.April, dem End-Tag des 1. Weltkrieges, ist auch Feiertag, nämlich ANZAC- Day. Das steht für Australian-New Zealand Army Chorps. Das ganze wird hier seeehr ernst genommen und die Soldaten werden geradezu vergöttert. Ein bisschen ungewohnt für deutsche Besucher, weil wir aus gegebenen Gründen wohl das Ende des Krieges feiern, aber doch eher selten die Soldaten, die loyal zum Vaterland standen... Der Ausblick auf Melbourne war allerdings äußerst schön.
Freitag war dann ein weiterer Australien-Kultur-Besuch angesagt: Footy. Australian Rules Football. Hat mit American Football so gar nichts zu tun, hat eher Ähnlichkeit mit Rugby. Im Wesentlichen wird ein eierförmiger Ball von 18 Spielern pro Mannschaft über das eierförmige Spielfeld geworfen oder geschossen, bis er in den Lücken zwischen vier Stangen landet – dem Tor. Dabei dürfen sich die Spieler auch um den Ball prügeln, „Körpereinsatz“ ist erlaubt und erwünscht. Ein Spiel dauert 80 Minuten, aber die Nachspielzeit ist locker immer 10 Minuten pro Viertel, also haben wir plus Pausen gute 2 ½ Stunden auf den Rängen gefroren. Es wehte nämlich ein eisiger Wind, und ich hab ja keine Jacke mehr. Grrrrrrrrr.
Von den angeblich völlig Footy-verrückten Australiern hab ich nicht sonderlich viel mitbekommen. Jedenfalls waren die Fans im Gegensatz zu deutschen Fußballfans absolut harmlos. Keine wilden Schlachtgesänge, keine grölenden Männer-Truppen in den Bahnen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass es den Männer hier tatsächlich um den Sport geht, und nicht ums saufen, pöbeln und sich mit den gegnerischen Fans anlegen....merkwürdig.
Am Samstag hab ich dann mit meinem Partner David den Großteil unseres ersten TV Beitrages gedreht. Wie ihr seht: Ich muss auch mal was für die Uni tun. Die Interviews hatten wir schon fertig, die mir gezeigt haben, wie klein doch die Welt ist. Nachdem wir gedreht hatten, war der übliche Smalltalk angesagt. David erzählte dann – Journalistik Studenten und ich Austausch-Student aus Deutschland. Der Professor hat einen Bruder in Deutschland. In Bremen. Da haben wir uns ja schon gefreut und natürlich über Werder gequatscht. Dann musste er einräumen, dass der Bruder gar nicht in Bremen wohnt, sondern in Verden. Ich dachte der will mich verarschen, aber er wusste ja nicht wo ich her komme! Das habe ich dann Mama erzählt, die dann feststellte, dass Steven Wood, der Bruder, Kunde bei ihrer Versicherung ist. Die Welt ist ja sooooo klein! Nicht nur das ich auch in Melbourne einen Förby-Stuhl kaufen kann, ich kann auch in einer 4 Millionen Stadt den vermutlich einzigen Verdener finden.
Apropos finden: Katrin aus unserem Semester haben wir auch gefunden. Wir waren auf dem Rückweg vom Shrine, da lief sie uns über den Weg. Sie studiert eigentlich in Deakin, außerhalb von Melbourne, aber sie wohnt in Melbourne und hat da für einen Kurs Fotos geschossen. Jaja, wirklich klein.
Sonntag war dann Jacke suchen und ein bisschen Uni-Kram erledigen angesagt. Nicht sonderlich spektakulär also. Aber dauert ja nicht mehr lange, dann geht’s nach Tasmanien, wo die Einwohner angeblich ihre Geschwister heiraten. Die Tazzies werden hier in etwa so gesehen wie die Ostfriesen. Und es gibt auch mindestens genauso viele TOTAL lustige Witze...