Montag, 26. Februar 2007

Das erste Mal...

... war ich im richtigen Unterricht. Mit echten australischen Mitstudenten und nem Professor. Das erste Seminar meiner australischen Hochschulkarriere war Advanced TV Journalism, also Fernsehen für Fortgeschrittene. Ich muss hier zwei News-Beiträge zusammenstückeln und am Ende des Semesters werden wir zwei Wochen lang jeden Tag eine Nachrichtensendung bringen. Ich hab mich als News-Moderatorin oder Interviewerin angemeldet, vielleicht werde ich aber auch die Wetter-Fee, das weiß ich noch nicht. Auf Channel 31 wird das gesendet, falls jemand seinen Satelliten entsprechend programmieren will und mich mitten in der Nacht (eure Ortszeit) das Wetter in Melbourne ansagen hören möchte. (Im Moment angenehme 25 bis 30 Grad, mit vereinzelten Wolken und leichter Brise.)
Als mein Partner wurde David auserkoren (Asiate, aber schon lange in Melbourne). Er hat nicht gerade vor Begeisterung gesprüht, aber in unserem Workshop waren nur 5 Teilnehmer, davon hatten sich zwei schon beim Mittagessen verabredet und die eine wusste noch nicht, ob sie vielleicht noch wechselt. Es blieb also nur meine Wenigkeit. Ich werde ihn aber bestimmt bald von meinem Können überzeugen. Bis nächste Woche Montag muss ich mein Thema vorgeschlagen haben. Ich denke ich werd irgendwas über Wohnungssuche oder Backpacker in Melbourne machen, aber mir fehlt noch ne konkrete Idee, was dabei die Nachricht sein soll. Das ich angekommen bin ist vermutlich kein Fernsehbeitrag wert, obwohl ich persönlich das sehr interessant und spannend finde. Und ihr natürlich auch, will ich mal hoffen.
Ach ja, am letzten Donnerstag haben wir im botanischen Garten ein Open Air Kino genossen. Mit Decken und Fressalien bepackt haben wir uns Happy Feet angesehen, sehr zu empfehlen. Laue Sommernacht, Sandwiches, Kekse und Süßkram, was zu trinken und um mich herum...nur Pärchen. Ich habe Mitleid mit all den Singles, die das ständig ertragen müssen. Ich fands schrecklich, es herrschte nämlich eine unübersehbare Kuschelatmosphäre und ich hätte mich natürlich auch lieber von Benny wärmen lassen, als von Claudias Schlafsack.

Sonntag, 25. Februar 2007

Klassenfahrt

Am Freitag um neun fuhr ich auf Klassenfahrt. Der Kurs „Introduction to Australian Society“, also praktisch die Einführung in die Australische Gesellschaft, war das ganze Wochenende im Bundesstaat Victoria unterwegs, um die Australier kennen und verstehen zu lernen. Los gings mit dem Bus in Richtung Weinanbaugebiet. Unterwegs sollten wir einen Blick auf die Landschaft werfen, und uns angucken was die Gegend so zu bieten hat. Wir hatten Melbourne grade hinter uns gelassen, da hab ich auch schon geschlafen. Viele beneiden mich darum, in jeder erdenklichen Situation schlafen zu können, besonders in Bussen und Flugzeugen (Ich sag nur Kursfahrt nach Avignon), dass kann aber auch extrem unpraktisch sein...
Als ich wieder aufgewacht bin, fuhren wir bereits durch Weinberge. Wobei das eigentlich hier mehr Weinfelder sind, denn Australien ist der flachste Kontinent der Welt, mal von wenigen Regionen abgesehen ist es hier so platt wie im Wattenmeer. Aber die Sonne kommt hier den ganzen Tag von allen Seiten, deshalb ist die Hanglage für den Wein hier auch nicht wirklich entscheidend. Wir haben die Seppelt Winery besucht, die den in Australien gut bekannten Seppelt Sekt herstellt und außerdem Sparkling Shiraz. Also Shiraz-Rotwein mit Kohlensäure wie Sekt. War im erstem Moment sehr merkwürdig, aber eigentlich ganz gut. Zum Weihnachtsbraten bei 40 Grad im Schatten kann ich mir den gut vorstellen. Wir sind durch die Keller gelaufen, die von arbeitslosen Minen-Arbeitern gegraben wurden, und haben die Kühle genossen. Und uns die angeschimmelten Spinnenwegen angesehen. Gruselig und bestimmt nicht besonders gesund, die Luft. Unser Tourfuehrer hatte die typisch australieschen Narben auf Kopf und Ohren. Nicht der Schimmel, sondern die Sonne hat hier gute Arbeit geleistet und Krebs verursacht, der dann weggeschnitten wird. Besonders bei den alten Australiern siehrt man das oft.
Danach fuhren wir ins Brambuk Centre, einer Art Aufklärungs-Stätte über die Aboriginals der Region, und was die ersten Siedler von ihnen übrig gelassen haben. Dort haben wir dann wie die Ureinwohner die australischen Nationaltiere verspeist.
Känguru lässt sich am ehesten mit Rindfleisch vergleichen, Krokodil schmeckt wie Huhn und Emu vermutlich wie Strauß oder auch Lamm, allerdings war das Fleisch in ein ekelige Bratwurst gepresst, die alles andere als lecker war. Würstchen sollten eben nur die Deutschen machen. Die Fotos sind von links nach rechts in der beschriebenen Reihenfolge.
Danach ging es dann weiter ins Camp. Dort begrüßten uns die Kängurus vor dem Speisesaal. Nach einem unglaublich leckeren Abendessen mit Lasagne und warmen Schokoladenkuchen mit Vanille-Eis, haben wir uns dann im Gemeinschaftsraum getroffen und eine Lehrstunde über Australiens Flora und Fauna erhalten. Koalas sind zwar süß und schlafen eigentlich den ganzen Tag, aber wenn sie mal aufwachen, dann hören sie sich an wie ein gefolterter Mann. Furchtbar! Ich hoffe ich höre nie einen in der Realität, das würde mein Bild der kleinen Kuscheltiere völlig zerstören.
Nachdem wir also wussten, was alles giftiges im Wald herum kriecht, und wir alle nochmal schnell unsere Socken hochgezogen haben (wegen der Schlangen), sind wir in den stockfinsteren Busch marschiert. Da knapp 30 Studenten definitiv nicht leise durch den Wald gehen können (einige haben es auch nicht mal versucht) blieb es leider bei Opossums, Handteller großen Spinnen, und riesigen Ameisen, die unseren Weg gekreuzt haben. Zur Krönung durften wir dann noch ein Stückchen Wald alleine hinter uns lassen, um mal zu erleben, wie sich das anhört, wenn nicht 60 Füße auf dem Weg trampeln. Natürlich bin ich alleine durch die Dunkelheit gewandert. (Eva hats vorgemacht, da konnte ich ja nicht mehr anders.)
Am nächsten Tag gings dann morgens früh in Richtung Hamilton, einer wohlhabenden Stadt, die während des Goldrauschs in der Gegend zu dem wurde was sie heute ist: Eine langweilige Kleinstadt. Wenn wir nicht eine Grundschul-Stadtrrally abarbeiten und eine Fuehrung durch das Museum haetten machen muessen, waeren wir wahrscheinlich nicht mal ausgestiegen. Wir haben aber gelernt, dass die Siedler damals gerne ihr England in Australien nachgebaut haetten. Sie haben mehrstoeckige Gebaeude gebaut (da Hitze nach oben steigt hier sehr sinnvoll), botanische Gaerten mit Eichen und Buchen angelegt (das Emu-Gehege wurde wohl spaeter hinzugefuegt) und exklusive Maenner und Frauen Clubs gegruendet. Naja. War irgendwie doch ganz nett.


Zurueck im Camp haben wir dann einen Berg erklommen, um uns die Gegend mal aus der Vogelperspektive anzusehen. Etwa 2 Klimeter ging es steil bergauf, und da sich mein Sport hier im Moment gegen Null tendiert, war ich ganz ordentlich aus der Puste. Aber es hat sich gelohnt. Herrlicher Ausblick. Hat mich ein bisschen an Afrika erinnert: Berge mit dichtem Wald und dahinter endloses, trockenes Grasland. Eva und Juliane waren mit und wir haben uns fuer den Rueckweg von der Gruppe getrennt, um die Gegend mit ein bisschen mehr Ruhe zu geniessen. Sonst haetten wir bestimmt auch nicht die Daumengrosse Echse auf dem Weg entdeckt.





Zum BBQ am Abend kam dann ein Chor aus der Region und ein paar Nachbarn, damit wir auch mal echte Australier sehen konnten. Alle mussten dann ihre Nationalhymne traellern, Gott sei Dank waren wir viele Deutsche und die WM ist noch nicht so lange her, wir haben also ordentlich drafu los geschmettert. Ich waere gestorben, wenn ich wie der Sued-Koreaner alleine singen muesste, oder wie die Schwede zu zweit. Manchmal ist es also gar nicht so schlecht, Deutscher in Australien zu sein, man ist nie allein.



Am naechsten Morgen hat uns dann ein Dozent darauf aufmerksam gemacht, dass im Wald eine Herde Kaengurus grast. Wir haben uns also direkt nach dem Fruehstueck auf den Weg gemacht und haben sie auch entdeckt: Mindesten 20/30 Tiere haben gegrast und uns angestarrt. Dann kamen leider ein paar sehr daemliche Jungs auf die glorreiche Idee, sie wuerden die Viehcher gerne mal in Aktion sehen und sind losgerannt. Die Herde ist weggehuepft (mein Gott machen die Saetze) und die Idylle war vorbei. Ganz toll gemacht. Es gibt echt richtige Idioten auf der Welt.



Auf dem Rueckweg haben wir dann eine Schaffarm besichtigt und einen Touri-Park in dem ein Dorf aus der Zeit des Goldrausches nachgebaut war. Die Kinder der Farmer waren leider noch zu klein, um als Ehepartner in Frage zu kommen (ich haette mich strafbar gemacht), nicht das meine Familie glaubt, ich haette nicht versucht uns eine Farm zu organisieren. Vielleicht beim naechstem Mal.



So, dass war das Wochenende in Kurzfassung. Natuerlich gaebe es noch viel mehr zu berichten, zum Beispiel von unmoeglichen Amerikanerinnen, die sich ordentlich betrunken haben und dann so eine Art Tat oder Wahrheit gespielt haben. Dabei taten sie dann lautstark kund, ob sie ihren Freunden schonmal waehrend der Autofahrt einen geblasen haben, oder nicht. Als ob das irgendwer wissen wollte. Und von unserer neuen Freundschaft mit drei Deutschen, die einfach nicht die Klappe halten konnten, egal wie unpassend die Gelegenheit war.



Heute beginnt fuer mich die Uni, da gibt es dann bestimmt auch einiges zu berichten.

Montag, 19. Februar 2007

Say Hello to Foerby


Fotos von Melbourne bei Tag sind immernoch ein bisschen rar, da hab ich einfach zu viel zu tun, aber abends hab ich schonmal ein paar Blidchen geschlossen.
Globalisierung sei Dank war ich heute bei Ikea, um es mir ein bisschen gemuetlich zu machen. dabei hab ich Freundschaft mit Foerby geschlossen. Leider kann ich hier kein OE schreiben (Englische Tastatur), deshalb kann ich seinen Namen nicht richtig rueberbringen. Foerby ist mein neuer roter Nachtschrank-Ersatz, ein Plastik-Hocker. Viel faszinierender fand ich jedoch, dass bei Ikea tatsaechlich alle Sachen genauso heissen wie bei uns, und das, obwohl schon wir vermutlich nichts davon richtig aussprechen und die Aussies (hier Ozzies genannt) mal so gar nicht mit den ganzen OEs und AEs und UEs zurecht kommen.
Mein neuer Kleiderschrank heisst Ragga oder so. Eine Kleiderstange, in die ich diese Stoff-Faecher haengen kann. Ich hab mich noch nicht an den Aufbau gemacht, aber das kann ja nicht allzu schwierig werden. Hoffe ich. Naja jedenfalls hat das Ikea Prinzip funktioniert, ich hab wieder viel zu viel Kleinscheiss gekauft. Dann stand ich also mit meinen Klamotten an der Kasse, hab laessig meine Kreditkarte gezueckt - und die hat nicht funktioniert. keine Ahnung warum, der Typ an der Kasse meinte, das Limit sei ueberschritten, das kann aber eigentlich gar nicht sein. Ich bin jedenfalls puterrot angelaufen, hab meine letzten Scheine aus dem Portemonnaie zusammengeklaubt, hab bezahlt und mich vom Acker gemacht. Muss dringend mal mein Konto checken, hab aber im moment ja nur oeffentliche PCs mit Internet zur Verfuegung, und wer weiss, was hier so fuer merkwuerdige Viren und Programme drauf sind. Jedenfalls bin ich dementsprechend unentspannt, weil die Deutsche Bank auch noch immer nicht die richtige EC Karte geschickt hab, mit der ich hier Geld abheben kann. Ich muss also immer meine Maedels hier bitten fuer mich Geld abzuheben und es denen dann zurueckueberweisen, was Internet-Technisch wieder das Sicherheitsproblem aufwirft. Vielleicht darf ich heute abend ja mal den Internetzugang von Lilly benutzen.
Frohes neues Jahr uebrigens! Am Wochenede war chinesisches Silvester und in Melbourne hat der Baer gesteppt. Das ganze Wochenende wurde gefeiert. Am Freitag war ich mit Lilly und ihren Freunden Essen. 15 Chinesen, Malaysier, Vietnamesen, ein Grieche und ich. Ich moechte mal behaupten, ich bin in der Gruppe aufgefallen. Das war sehr nett, danach wurde es sehr merkwuerdig. Auf dem Rueckweg brach Lilly ploetzlich in Traenen aus, ihr ganzes Leben sei scheisse, sie findet niemals einen Mann, den letzten habe sie ueber ein Jahr gedatet und am Ende war sie schwanger und musste abtreiben und er weiss es nicht mal. Und ausserdem ist sie das zweite Mal durch die Fuehrerscheinpruefung gefallen. So ungefaehr in dieser Reihenfolge. Neben mir stand also eine voellig aufgeloeste Chinesin (28), die ich praktisch nicht kenne und erzaehlt mir von ihrer Abtreibung. Was zum Henker macht man in dieser Situation? Ich war ein wenig verzweifelt, hab ihr mit vorsichtigem Sicherheitsabstand ueber den Ruecken gestreichelt und was bloedes gelabert, von wegen ist doch alles halb so schlimm, sie sei ja noch jung. Komischer Abend.
Am naechsten Tag war ich dann mit den Maedels in Chinatown, hab lecker thailaendisch gegessen und den tanzenden Drachen zugesehen und den Boellern gelauscht. Mit zugehaltenen Ohren waren die immernoch so laut wie unsere grossen Boeller. Und die haben nicht gegeizt: Vor jedem Retaurant ging eine ganze Batterie mit hunderten von Knallern los. Das obere Bild zeigt den Eingang zu Chinatown.
Ich bin in Wirklichkeit uebrigens nicht mehr so blass wie auf dem Bild oben. Die Lampions hingen an der Promenade zum Yarra River, da waren auch an die hundert Fressstaende mit asiatischen Leckereien aufgebaut. Die Feuerfontainen die ihr rechts seht stehen da nicht nur zum Neujahrsfest sondern gehen regelmäßig jeden Abend hoch. Unglaublich heiß, als würden die normalen Temperaturen nicht schon reichen.
Am Sonntag Abend waren wir dann am Strand, natuerlich hat es an diesem Tag geregnet. War aber mal ganz angenehm, die Hitze draussen war kaum noch zu ertragen. Ehrlich gesagt, hab ich weder Wasser noch Sand gesehen, wir sind in den zahlreichen Kneipen und Bars an der Promenade dahinter haengen geblieben... Aber wir sind ja noch ein bisschen hier.

Donnerstag, 15. Februar 2007

Yeeehaaa!

Ich hab endlich ein Zimmer gefunden! Es ist natuerlich nicht perfekt, aber mit Abstand das Beste, was ich in letzter Zeit gesehen hab. Die Suche ging gestern frueh los und wir kamen an einem Apartment an, vor dem bereits vier weitere Interessenten warteten. Die Gegend war super schoen - das Apartment leider super dreckig. Von den Cornflakes zwischen den Schraenken haette ich eine Woche lang fruehstuecken koennen und auf der Badewanne lag ein dickes Ausguss-Haarknaeuel. Mal ganz von dem Schimmel in den Fugen abgesehen und den jahrealten Spritzern auf dem Spiegel.
Zur naechsten Wohnung sind wir dann bestimmt 40 Minuten mit der Bahn gefahren, nur um festzustellen, dass es noch schlimmer ist. Auch diese Gegend war schoen. Im Zimmer stapelten sich jedoch noch immer die Tassen mit den Kippen drin, die ehemals weisse Badewanne war inzwischen grau/gelb, und vor lauter Altpapier konnte man die Kueche kaum betreten. Warum wohnen Menschen in solchen Apartments? Ich verstehs nicht.
Das naechste Zimmer auf meinem Besichtigungsplan war dann auch schon mein neues Zuhause. Das Zimmer ist eigentlich viel zu gross, weil kaum Moebel da sind. Es hat bestimmt ueber 25 Quadratmeter und es steht ein Einzelbett, ein Nachttisch und ein Buecheregal drin. Inklusive Nebenkosten werde ich unter meiner magischen Grenze von 300 Euro im Monat bleiben. Alles ist sauber, ich wohne mit Lilly aus Shanghai, Mazon aus Australien und noch einem Mitbewohner zusammen, der auch heute Abend einzieht. Die Wohnung ist ueber einem Obst- und Gemueseladen im Stadtteil Kew, der Supermarkt ist um die Ecke und ich brauche etwa eine halbe Stunde zur Uni. Ich duerfte Lillys Fahrrad benutzen, vielleicht bin ich mit dem sogar schneller, muss ich mal ausprobieren. Das Bad ist sehr klein, mal von Duschzeug abgesehen muss ich meinen Krempel wider mit in mein Zimmer nehmen. Aber dafuer ist es wenigstens sauber.
Heute muss ich mir erstmal ne Decke und ein Kissen kaufen. Montag werd ich mal zu Ikea fahren und mir einen billigen Kleiderschrank und einen Spiegel besorgen. Am Wochenende soll ich nicht viel rumrumoren, weil da chinesisches Neujahr ist und Lilly will feiern und Freunde einladen und so weiter. Und dann lange schlafen. Das werd ich dann auch machen.

Mittwoch, 14. Februar 2007

Maheika

Ich bin am Dienstag um sechs Uhr morgens endlich in Melbourne angekommen und natuerlich ist nichts so einfach, wie ich es mir vorgestellt hab. Das Zimmer, dass ich im Internet gefunden hatte, war eine Katastrophe: Total verdreckter Teppich, sehr muffiger Geruch in der Luft schmutzige Kueche und verdrecktes Bad. Und der Mitbewohner, mit dem ich nett gechattet hab, sah in Natura leider genauso aus wie seine Bude.

Also bin ich mit meinem Koffer wieder zurueck in die Stadt gefahren, wo die anderen Maedels ein Backpacker Zimmer gemietet hatten. Da ich nichts vorbestellt hatte, war nur noch ein Bett in einem 16 Betten Schlafsaal frei. Das hab ich dann genommen, mir blieb nichts anderes uebrig.

Die Suche nach einem Zimmer ging also los: Bisher hab ich sechsWGs besichtigt. Die variierten alle zwischen: Zu weit weg, zu dreckig, zu komische Mitbewohner oder zu teuer. Ich hab also noch nichts gefunden, werd heute noch fuenf weitere Zimmer besichtigen. Hoffentlich ist was dabei! In den meisten WGs leben Asiaten oder die Zimmer werden von Asiaten vermietet. Leider kann keiner von denen auch nur ansatzweise meinen Namen aussprechen. Maheika war der Versuch, der am ehesten nach meinem Namen klang. Leider sind die Australier auch nicht wesentlich erfolgreicher mit ihren versuchen. Und ein Spitzname ist mir noch nicht eingefallen. ich will jedenfalls auf keinen Fall Mary oder so genannt werden!

Egal, Hauptsache ich finde bald ein Zimmer. Ich leb jetzt seit fast zwei Wochen aus dem Koffer, in den Zimmern gibt es in der Regel naemlich keine Schraenke, und hab die Schnauze voll. Wuerde auch gerne mal einfach eine Tuer hinter mir zu machen und dann mal zwei Stunden alleine sein. Denn im Moment stehen wir hier ja unter Dauerbeobachtung und das zerrt irgendwie an den Nerven.

Hab jetzt wenigstens in der Uni einen Internetzugang. Morgen nehm ich vielleich mal meinen USB Stick mit, und dann gibt es auch endlich ein paar Fotos zu sehen.

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen mir Melbourne in Ruhe anzugucken. Hab zwar schon viel gesehen, durch die Rumgurkerei, hab aber noch keine Sehenswuerdigkeiten besucht oder die Ruhe gehabt ein paar Fotos zu schiessen. Das werd ich aber natuerlich nachholen.

Montag, 12. Februar 2007

Sonnenbrand

Ich bin verbrannt. Meine Arme, unterm Hals, im Gesicht und auf dem Kopf. Wir waren auf Rottnest Island und auf dieser Insel gibt es keine Bäume, also auch keinen Schatten! Die kleine Insel vor Fremantle, wo wir gestern waren, wurde von den ersten Einwanderern so genannt, weil sie noch keine Quokkas kannten. Das sind kleine Känguru-ähnliche Tiere die die Eroberer fälschlicher Weise für riesige Ratten hielten – deshalb Rottnest, Rattennest.
Mit der Fähre sind wir erstmal nach Fremantle gefahren und haben uns vom Wasser aus die teuersten Wohngegenden von Perth angeguckt. Danach sind wir in eine Art großes Speedboot umgestiegen und in einem Affenzahn Richtung Insel gedonnert. Natürlich haben wir uns den perfekten Tag ausgesucht, um lässig am Strand zu liegen – es war „kalt“ (so 25/28 Grad) und bewölkt. Super.
Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind bei schlimmsten Gegenwind über zwanzig Kilometer geradelt, nur zwei Mädels haben abgekürzt. Mal von der tollen Aussicht abgesehen hatten wir eine unglaublich spannende Begegnung mit echten australischen Tieren – ohne Zaun dazwischen! Am Straßenrand saß tatsächlich ein Quokka, der anscheinend überhaupt keine Angst mehr vor Touristen hatte. Vorsichtig sind wir auf dem Bauch an ihn heran gekrochen und haben Fotos gemacht. Wir waren so aufgeregt, dass wir es kaum erwarten konnten den anderen davon zu berichten. Als wir am Treffpunkt angekommen waren, hatten wir gleich noch eine wesentlich ungemütlichere Begegnung mit Tieren. Eine daumendicke, einen Meter lange, schwarze Schlange kroch auf dem Weg zum Strand an uns vorbei. Nachdem wir den ersten Schrecken überwunden hatten, sind wir natürlich doch noch näher rangegangen, mit gebührendem Sicherheitsabstand.
Wieder am Hafen ange-kommen mussten wir dann leider feststellen, dass unsere Quokka-Begegnung gar nicht so besonders war: Die kleinen Kängurus sind da ungefähr so außergewöhnlich wie Kaninchen an Auto-bahnrastplätzen. Aber wir fanden es spannend.
Am nächsten Tag war dann wieder strahlender Sonnenschein und wir haben tatsächlich einen Strand-Tag eingelegt. Ein Stückchen aus der Innenstadt raus haben wir im indischen Ozean geplanscht, in den hohen Wellen geschwommen und dabei unglaublich viel Wasser geschluckt. Langsam bekommen wir alle hier schon die typischen Surferhaare, von dem furchtbar gechlortem Leitungswasser, der Sonne und dem Salzwasser!
Heute waren wir dann in York, in der ältesten Inland-Stadt Australiens. Wir habe uns ein Auto gemietet und sind etwa hundert Kilometer durch den Busch gefahren, mit richtig rotem Sand, wie er auf den Postkarten aussieht! Und das wichtigste: Ich bin links gefahren! Das größte Problem daran war der Blinker: Der ist auch auf der anderen Seite, und jedes Mal, wenn ich blinken wollte, hab ich den Scheibenwischer angemacht. Die Leute müssen echt gedacht haben ich bin ein bisschen blöd.
Das Städtchen York hat noch alle alten Fassaden aus der Gründerzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein total verschlafenes Nest, aber hübsch. Wobei heute mehr der Weg das Ziel war.
Ein paar Stunden noch, dann sitze ich im Flieger nach Melbourne! Ich bin ein bischen aufgeregt, denn der relaxte Urlaubsteil ist nun erstmal vorbei!

Freitag, 9. Februar 2007

Aaarghhh!

Ein einziges Drama: Mein Laptop hat aus irgend einem mir schleierhaften Grund die WirelessCard nicht mehr erkannt und das Internet war eine Wunschvorstellung. Zum Glück hab ich kurz vor der Abfahrt noch die Treiber CD eingepackt, die hat es nämlich gerettet. Und ich musste das alles alleine machen, weil ja mein Benny nicht da ist! Wie furchtbar! Mein Mitleid an alle, die keinen Computerexperten zu Hause haben! Ich kann jetzt nachvollziehen, mit welcher Verzweiflung man manchmal vor dem Bildschirm sitzt und sich fragt: Aber warum? Außerdem ist die Verbindung nicht gerade besonders, deshalb ist das mit den Fotos auch noch ein bisschen mau. Das wird selbstverständlich noch nachgeholt!

Heute waren wir in Fremantle, etwa 20 Kilometer südlich von Perth. Es ist der Hafen der Stadt, dort werden die meisten Rohstoffe verschifft. Wir haben uns gefühlt wie in New Orleans oder Louisiana, denn alle Gebäude (naja fast alle) sind im Kolonialstil gebaut, mit Veranden ums ganze Haus und schnörkeligen Verzierungen.

Als erstes sind wir zum großen Markt gegangen und haben mir einen Hut gekauft, denn mein Scheitel ist verbrannt. Seehr unangenehm. Aber unter diesem Problem leiden wir im Moment alle. Dann ging es auf ins Gefängnis, eigentlich wollten wir das erste Gefängnis dieser Region besichtigen, haben aber das zweitälteste besichtigt. Das wurde uns aber erst später klar. Der Tour Guide Paul hätte auch gut und gerne Touren durch Disneyland führen können, so euphorisch und dramatisch schilderte er uns die Zustände des Gefängnisses. Das die ersten Verurteilten aus England hier mir bloßen Händen, einer Axt und einem Spaten das Gestein abtragen mussten, um ihr eigenes Gefängnis zu bauen und so weiter.

Ich hoffe ich werde in nächster Zeit ähnlich begeistert berichten!

Ziegen im Streichelzoo war gestern!






So, liebe Leute, hier kommt gleich der nächste Eintrag, gestern reichte mein Internet-Guthaben vom Backpackers nicht mehr, um den Text und die Bilder auch noch hoch zuladen. Hab zu lange gechattet und E-Mails kontrolliert (Grüße an Janita ;-)).




Wir waren heute (Donnerstag) im Caversham National Park und es war wirklich wirklich toll! Für einen deutschen Zoo wäre er vermutlich ein bisschen schlicht und klein gewesen, aber schließlich sind wir ja in Australien! Mit dem Bus sind wir vom Backpackers aus nach Swan Valley gefahren, einem Stadtteil etwas außerhalb. Wir sind vor dem Tor des Parks ausgestiegen und haben uns auf den tollen Service gefreut, der uns mit einem Jeep vom Tor zu richtigen Eingang bringen sollte. Leider funktionierte das Telefon nicht, mit dem wir im Park anrufen sollten. Das hieß für uns: Zwei Kilometer durch die pralle Sonne auf schwarzem Asphalt zum Eingang latschen. Als wir um die erste Kurve bogen, wurde uns die Gefahr dieses Unterfangens bewusst – Warnschilder vor Schlangen, Kängurus, Echsen und Rindern standen am Straßenrand. Aber todesmutig wie wir sind, haben wir uns auf den Weg gemacht.




Und es hat sich gelohnt! Nachdem wir zunächst ein paar Wallabies (kleine Kängurus) durch Zäune beobachtet hatten und exotische Vögel durch ihre Käfige besichtigten, kamen wir endlich ins Freigehege. Und ich muss sagen: Kängurus sind soooo süß! Ganz vorsichtig habe sie mit ihren weichen Schnäuzchen das Futter genommen und sich zum Dank mit einer Engels-Geduld von den Touries mit ihren Kameras streicheln und Knipsen lassen. Natürlich haben wir annähernd tausend Fotos geschossen und kiloweise Futter verteilt.




Danach ging es zu Big Baby. Die neun Jahre alte und 26 Kilo schwere Wombat Dame ließ sich geduldig von uns auf den Schoß nehmen und sich den Bauch kraulen. Irgendwie weiches und trotzdem borstiges Fell hatte sie und wenn sie nicht geatmet hätte, dann hätte sie auch tot sein können. War nicht so ihre Zeit, Big Baby ist eher nachtaktiv.




Danach ging es zu den Koalas: Die unglaublich putzigen Viehcher schlafen fast den ganze Tag, weil Eukalyptus nicht all zu viel Energie liefert. Deshalb haben sie uns vermutlich nicht mal bemerkt, als wir sie gestreichelt haben.




So, puh, geschafft. Völlig fertig vom Rumgeschlender und der Sonne haben wir uns dann erstmal ne Runde aufs Ohr gehauen und dann ein seeehr leckeres und Knobi-haltiges Pesto gemacht und verspeist. Mmmmmh!

Donnerstag, 8. Februar 2007

Der erste Tag


Ihr werdet es kaum glauben, aber ich bin tatsächlich am Mittwoch angekommen. Heute morgen um etwa drei Uhr Ortszeit haben wir unser Zimmer bezogen und sind hellwach in unsere Betten gefallen. Aber schließlich wollen wir den Jet Lag im Zaum behalten und haben uns deshalb zum Schlafen gezwungen.
Selbst ich kann kaum glauben, dass wir am anderen Ende der Welt sind. Im Moment fühlt es sich noch wie der gewöhnliche Mittelmeerurlaub an, nur das alles anders aussieht. Und riecht. Alles hat das Aroma und die Temperatur einer Saunalandschaft, das liegt natürlich an dem strahlenden Sonnenschein und den vielen Eukalyptus-Bäumen. Bei 40 Grad lässt es sich auch gut schwitzen, zwischen ein Uhr und vier kann man es kaum aushalten. Trotzdem spüre ich eine Erkältung im Anmarsch. In den Flugzeugen war es einfach immer zu kalt oder zu warm, jetzt kratzt mein Hals und die Nase kribbelt. Kann natürlich auch sein, dass mein Heuschnupfen zuschlägt. Ich habe mir vorgenommen, dass zu ignorieren und lieber das tolle Wetter und Perth zu genießen.Die Stadt ist eine Mischung aus Ami-Großstadt und botanischer Garten. Auf einer Fläche, dreimal so groß wie Berlin, leben hier ungefähr 1,5 Millionen Menschen. Man könnte also sagen, es ist recht weitläufig. Praktischer Weise fahren aber die Stadtbusse im sieben Minuten Takt und auch noch um sonst! Da sollten sich die deutschen Busunternehmen doch mal ein Beispiel dran nehmen! Diesen Service haben wir natürlich genutzt und uns in die Stadt chauffieren lassen. Nach einer kurzen Besichtigung des Hafens sind wir dann weiter in Richtung Kings Park gefahren. Etwas erhöht gelegen hat man da einen super Ausblick auf den Swan River und Perth. Aber kein Lohn ohne Mühen: 221 Stufen und noch ein gutes Stück bergauf waren dafür nötig. Dabei mussten wir feststellen: Wir sind deutsche Weicheier. Während wir noch keuchen die letzten Stufen hoch krochen, joggten die Aussies in der Mittagshitze neben uns die Jacobs Ladder (so hieß die Treppe, wie die Leiter, die in den Himmel führen soll) hoch. Tolles Fitnessprogramm. Oben holten sie kurz Luft, dann rannten sie wieder nach unten und der Spaß begann von vorn. Wir haben es bei einem Mal gelassen. Im Park angekommen konnten wir dann die ganze Flora Australiens begutachten. Im botanischen Garten waren immer kleine Beete mit den typischen Pflanzen eines Gebietes angelegt. Viel lustiger waren aber die Vögel: Die grünen Papageien hören sich wenigstens an wie Papageien, aber die Viecher, die aussehen wie Raben mit Bart klingen wie Ziegen.
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Gegen Abend haben wir uns dann einen Supermarkt gesucht und ein bisschen Abendbrot gekauft, dann sind wir tot im Backpackers angekommen. Das ist ganz kuschelig, leider können wir aber nicht in einem Zimmer schlafen. Ich weiß gar nicht wie viele Leute hier schlafen, aber der Laden ist ausgebucht und voll mit jungen Leuten, die hier einen drauf machen. Der völlig überfüllte Kühlschrank und die gemeinsamen Duschen sind nicht der Hammer, aber dafür ist ein einfaches Frühstück inklusive.
Morgen werden wir dann einen National Park besuchen und ganz viele Koalas, Kängurus und andere komische Tierchen begutachten!

Freitag, 2. Februar 2007

Es geht los!


So, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Koffer sind fast vollständig gepackt, die Abschiedsparty ist auch einigermaßen vorbereitet und ich bin noch gar nicht nervös. Ich schnall einfach noch nicht, dass es schon Montag losgeht.
Aber es kam ja wie es kommen musste, auf den letzen Drücker melden sich dann die Probleme. Das blöde BaföG Amt will wieder völlig hirnrissige Unterlagen nachgeschickt haben, die eigentlich schon da waren, aber jetzt nochmal mit anderem Stempel oder Wortlaut dazu müssen.
Außerdem stellte die Dame am Bankschalter beim tauschen Euro gegen Australische Doller - siehe Foto - fest, dass ich gar keine richtige ec-Karte geschickt bekommen hab, sondern nur eine Service Karte. In Deutschland kann man damit alles machen, aber leider funktioniert die nicht im Ausland. Wozu gibt es überhaut diese Karte? Und was zum Teufel hat sich der Mitarbeiter dabei gedacht, als ich ihm erzählt hab, dass ich das Konto nur brauche, damit ich in Australien gebührenfrei Geld abheben kann? Naja Eva (eine Mitreisende) hilft mir netter Weise mit ihrem Konto aus der Misere und die neue Karte muss Mama mir dann nachschicken.