Aber von vorne. Am vergangenen Mittwoch haben wir uns abends um neun in den Flieger nach Hobart in Tasmanien gesetzt. Die Insel hiess erst Van Diemon's Land, wurde aber spaeter nach ihrem Entdecker benannt. Nach einer Stunde Flug sind wir in der Inselhauptstadt gelandet und haben uns auf den Weg in unser Backpacker gemacht (Nochmal kurze Erklärung: Backpacker sind so eine Art Jugendherbergen mit Selbstverpflegung, überwiegend von Rucksacktouristen besucht. Backpack = Rucksack). Am nächsten Morgen wurde dann ausgiebig gefrühstückt und anschließend die Stadt unsicher gemacht. Hobart zählt etwa 200 000 Einwohner und gilt laut Reiseführer zu den schönsten Städten Australiens, dass kann ich allerdings nur bedingt bestätigen. Der Salamanca Place, mit einer Reihe von Sträflingen erbauten Sandsteinhäusern, in denen man heute Cafes und Kunsthandwerk findet, war wirklich sehr schön.

Der Rest war nett, aber nicht atemberaubend. So wie der Ausblick vom Hafen, den ihr oben seht.
Vielmehr hat uns die Suche nach einem Mietwagen den Atem geraubt. Vermutlich wegen der Osterferien gab es bei einigen Firmen keine Autos mehr, in die fünf Mädels mit Gepäck gepasst hätten. Schlussendlich haben wir dann aber einen fahrbaren Untersatz organisiert und konnten am Karfreitag unsere Tasmanienrundreise starten.

Die höchsten Eukalypten werden 80 Meter hoch und die Aussichtsplattform über dem Huon River hing in schwindelerregenden und sehr wackeligen 600 Metern Höhe (laut Reiseführer, kam mir aber irgendwie hoch, aber nicht sooo hoch vor). Ausserdem haben wir den schwersten Baum Australiens besucht: Der Big Tree wiegt vermutlich 405 Tonnen (Formel kann auf Anfrage nachgeliefert werden), soviel wie vier ausgewachsene Blauwale. Damit wird er nur noch von den Mammutbäumen geschlagen.
Weiter ging es wieder zurück an Hobart vorbei und nach Port Arthur. Dort haben wir uns die Überreste der 1830 errichteten Strafkolonie angesehen.

Natürlich wurden entsprechende Anekdoten zum Besten gegeben: Von der mysteriösen 'Lady in Blue', von Stimmen, die aus den Wänden kommen und Kindergesichtern, die plötzlich vor den Fenstern im ersten Stock erscheinen. Auch ich hatte eine Begegnung der übernatürlichen Art: Während wir in der Gruppe den Geschichten der Führerin lauschten, hat jemand an meinen Rucksack gezupft. Ich stand aber ganz am Rand der Gruppe und niemand war hinter mir. Vermutlich ist einfach das Wasser in meiner Flasche im Rucksack hin und her geschwappt. Umdrehen und nachsehen wollte ich aber nicht...
Nachdem wir dann eine Nacht auf einem Campingplatz in drei(!)stöckigen Hochbetten verbracht haben, ging es in einen kleinen Zoo, um die berühmt berüchtigten Tasmanischen Teufel zu begutachten.
Der Tasmanische Teufel ist quasi die Hyäne Australiens (Danke Eva für diesen Vergleich). Das einzige fleischfressende Beuteltier der Welt ist als Jäger denkbar ungeeignet: Er kann nur schlecht sehen, die Beine sind kurz und langsam und besonders schlau ist der kleine Teufel auch nicht. Dafür kann er mit seinem Gebiss jeden Knochen brechen und das gefundene Aas wird komplett mit Knochen und Fell verspeist.
Er kämpft ausgiebig und gerne um alles: Um Futter, um Partner, um Schlafplätze und um alles andere. Das konnten wir dann auch ausgiebig bei der Fütterung beobachten. Drei Teufel übten sich in wildem Tauziehen. Ich glaube bei der Keilerei um das kleine Stück Wallaby-Haut haben die Teufel mehr Kalorien verbraucht als gefressen. Zu allem Überfluss droht dem Teufel nun das gleiche Schicksal wie dem Tasmanischen Tiger: Durch eine krebsartige und tödlich verlaufende Krankheit ist der Tasmanische Teufel vom Aussterben bedroht.Danach ging es die Ostküste rauf in Richtung Freycinet National Park. Und in eine kleine Käserei. Für unglaubliche 15$ durften wir durch eine Glasscheibe den einzigen Milchbottich begutachten, die Melkanlage sehen, Schafe füttern und ein winziges Stückchen Käse probieren. Wir wollten zuerst einfach gehen ohne zu bezahlen, haben uns dann aber doch nicht getraut. Wir konnten auch irgendwie nicht glauben, dass das wirklich 15 $ pro Person kosten sollte. Sollte es aber. Naja, weiter gings.
Tasmanien ist etwa so groß wie Bayern und die Straßen schlängeln sich die meiste Zeit in steilen Serpentinen um die Berge. Ich würde die Landschaft als eine Mischung aus irischen Wiesen und Steilküsten, skandinavischen Moor- und Seelandschaften und Regenwald beschreiben.

Die weißen Sandstrände und rötlich schimmernden Granitfelsen sind einfach unbeschreiblich schön.


Dazu kam der Glückshormon-Kick, dass wir es tatsächlich bis auf den Gipfel geschafft hatten. Beim Abstieg zitterten meine Oberschenkel und teilweise sind wir mehr auf dem Hintern Richtung Tal gerutscht als gekraxelt, aber wir sind noch vor dem Sonnenuntergang wieder am Auto angekommen und es ging weiter Richtung Launceston, der zweitgrößten Stadt Tasmaniens.In Launceston haben wir über einem irischen Pub genächtigt. Ilka und Juliane haben es sich nicht nehmen lassen noch ein bisschen im Untergeschoss zu feiern, aber ich war einfach zu geschafft, durchgeschwitzt und kaputt, um mich bei einem Cider zu amüsieren. Also bin ich nur noch halbtod ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen standen wir bei Supermarkt-Öffnung vor der Tür und haben für unser Osterfrühstück eingekauft. Ostern ohne Frühstückseier geht einfach nicht (Rührei aus der Microwelle: Klappt hervorragend wenn der Herd mal nicht funktioniert).
Die 90 000 Einwohner große Stadt ist uns auf Anhieb sehr sympatisch gewesen: Viele alte Häuser und hübsche Parkanlagen. Mitten durch die Stadt führt eine Schlucht, die wir dann natürlich auch noch erkunden mussten. Wir haben allerdings auf den Zick Zack Weg verzichtet, die steile Straße zurück hat uns für diesen Tag gereicht.
Weiter gings nach Devenport, wo die Fähre von Melbourne anlegt. Hier haben wir uns nur den Strand angesehen und einen Cappuccino getrunken, der Stadtrundgang hätte in der winzigen Stadt ohnehin höchstens eine halbe Stunde gedauert. Außerdem wollten wir einigermaßen zeitig in unserem Nachtlager in Queenstown ankommen. Die Kleinstadt ist vom Bergbau geprägt und besteht im wesentlichen aus der Mine, einem Campingplatz, einem Supermarkt und einem Pub. Wir haben in Lodge auf dem Campingplatz genächtigt. Das mit Abstand schönste Zimmer auf dieser Reise. Wir hatten unser eigenes sechs Personen Zimmer mit eigenem Bad und kleiner Teeküche. Und Fernseher. Sehr entspannt.
Von Queenstown ging es dann in den viel gelobten Cradle Mountain National Park. Mit Bussen wurde wir ins Zentrum des Parks gefahren und dann sind wir zwei Stunden um einen wunderschönen Bergsee gewandert.
Durch Heidelandschaft und Regenwald, immer mit dem Plätschern der Wellen an der Seite – sehr idyllisch.Der Tag war noch lange nicht vorbei und schließlich sind wir im Wander-Training, deshalb haben wir noch einige kleinere Spaziergänge im Park unternommen und uns Wasserfälle und mumelnde Gebirgsflüsse angesehen.
Nach einer weiteren Nacht in unserer kleinen Hütte in Queenstown ging es wieder zurück in Richtung Hobart auf dem Lyell Highway durch eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Australiens.
Südlich der Straße liegt der Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Der Name ist hier Programm: Immer wieder haben wir angehalten, um Wasserfälle und Bergpfade zu entdecken. Wie die Nelson Falls...
Außerdem grenzt der Mount Field National Park an den Highway, in dem die viel fotografierten Russel Falls liegen. Der in
Und hier die Russel FallsAm Abend sind wir dann wieder sicher in Hobart angekommen, nach einer kleinen Kaffee-Pause in New Norfolk – der Hopfen-Hauptstadt Australien. Damit sind wir einmal um Tasmanien gefahren und es hätte auch nicht weniger als eine Woche dauern dürfen. Wir haben längst nicht alle Sehenswürdigkeiten besucht und durch die gewundenen Straßen können 30 Kilometer auch gerne mal eine Stunde dauern. Und nach dem ganzen marschieren und ghequatsche brauch ich erstmal ein ganz entspanntes Wochenende. Weitere Randnotizen im nächsten Eintrag.
1 Kommentar:
Euer MIETWAGEN! Er kommt aus FRANKREICH! Wir sind stolz... :)
Sonnige Grüsse ans andere Ende der Welt!
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