Sonntag, 1. April 2007

Australian Society

Donnerstag war mal wieder australische Kultur angesagt: Wir haben den Shrine of Remembrence – den Schrein der Erinnerung – besucht. 1935 wurde diese Gedenkstätte zu Ehren der Opfer im ersten Weltkrieg errichtet. Das Vorbild für das Gebäude war des Grab des Mausol, oder Mauso, oder so ähnlich, heute als eines der antiken Weltwunder unter Mausoleum bekannt. Das British Empire hat damals die Australier an die Front in die Türkei geschickt, obwohl Australien damals schon unabhängig war. Über 30 000 Soldaten sind an der Küste von den Türken erschossen worden, weil die Strömung sie an die falsche Stelle gespült hat. Für ein Land wie Australien sind 30 000 Männer verdammt viel. Praktisch jede Familie hatte ein Mitglied verloren.
Aus dieser Geschichte ist so eine Art Helden-Mythos entstanden, über mutige Bush-Männer, die ihr Leben geben für ihren Kumpel - „mate“- und loyal zur Krone standen. In diesem Shrine wandert also ein Sonnenstrahl am 11.11. um 11 Uhr, als die Soldaten in der Türkei landeten, (Karneval ich weiß, aber das sollte man denen hier lieber nicht auf die Nase binden...) über das Wort „Love“ in einer Gedenktafel. Für die zahlreichen Touristen und natürlich gedenkenden Australier wird das ganze künstlich im Stundentakt wiederholt.
Am 25.April, dem End-Tag des 1. Weltkrieges, ist auch Feiertag, nämlich ANZAC- Day. Das steht für Australian-New Zealand Army Chorps. Das ganze wird hier seeehr ernst genommen und die Soldaten werden geradezu vergöttert. Ein bisschen ungewohnt für deutsche Besucher, weil wir aus gegebenen Gründen wohl das Ende des Krieges feiern, aber doch eher selten die Soldaten, die loyal zum Vaterland standen... Der Ausblick auf Melbourne war allerdings äußerst schön.
Freitag war dann ein weiterer Australien-Kultur-Besuch angesagt: Footy. Australian Rules Football. Hat mit American Football so gar nichts zu tun, hat eher Ähnlichkeit mit Rugby. Im Wesentlichen wird ein eierförmiger Ball von 18 Spielern pro Mannschaft über das eierförmige Spielfeld geworfen oder geschossen, bis er in den Lücken zwischen vier Stangen landet – dem Tor. Dabei dürfen sich die Spieler auch um den Ball prügeln, „Körpereinsatz“ ist erlaubt und erwünscht. Ein Spiel dauert 80 Minuten, aber die Nachspielzeit ist locker immer 10 Minuten pro Viertel, also haben wir plus Pausen gute 2 ½ Stunden auf den Rängen gefroren. Es wehte nämlich ein eisiger Wind, und ich hab ja keine Jacke mehr. Grrrrrrrrr.
Von den angeblich völlig Footy-verrückten Australiern hab ich nicht sonderlich viel mitbekommen. Jedenfalls waren die Fans im Gegensatz zu deutschen Fußballfans absolut harmlos. Keine wilden Schlachtgesänge, keine grölenden Männer-Truppen in den Bahnen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass es den Männer hier tatsächlich um den Sport geht, und nicht ums saufen, pöbeln und sich mit den gegnerischen Fans anlegen....merkwürdig.
Am Samstag hab ich dann mit meinem Partner David den Großteil unseres ersten TV Beitrages gedreht. Wie ihr seht: Ich muss auch mal was für die Uni tun. Die Interviews hatten wir schon fertig, die mir gezeigt haben, wie klein doch die Welt ist. Nachdem wir gedreht hatten, war der übliche Smalltalk angesagt. David erzählte dann – Journalistik Studenten und ich Austausch-Student aus Deutschland. Der Professor hat einen Bruder in Deutschland. In Bremen. Da haben wir uns ja schon gefreut und natürlich über Werder gequatscht. Dann musste er einräumen, dass der Bruder gar nicht in Bremen wohnt, sondern in Verden. Ich dachte der will mich verarschen, aber er wusste ja nicht wo ich her komme! Das habe ich dann Mama erzählt, die dann feststellte, dass Steven Wood, der Bruder, Kunde bei ihrer Versicherung ist. Die Welt ist ja sooooo klein! Nicht nur das ich auch in Melbourne einen Förby-Stuhl kaufen kann, ich kann auch in einer 4 Millionen Stadt den vermutlich einzigen Verdener finden.
Apropos finden: Katrin aus unserem Semester haben wir auch gefunden. Wir waren auf dem Rückweg vom Shrine, da lief sie uns über den Weg. Sie studiert eigentlich in Deakin, außerhalb von Melbourne, aber sie wohnt in Melbourne und hat da für einen Kurs Fotos geschossen. Jaja, wirklich klein.
Sonntag war dann Jacke suchen und ein bisschen Uni-Kram erledigen angesagt. Nicht sonderlich spektakulär also. Aber dauert ja nicht mehr lange, dann geht’s nach Tasmanien, wo die Einwohner angeblich ihre Geschwister heiraten. Die Tazzies werden hier in etwa so gesehen wie die Ostfriesen. Und es gibt auch mindestens genauso viele TOTAL lustige Witze...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hi
fußball schauen ohne bier ist ja labgweilig.
hört sich ja echt super an was du so machst,will auch.
morgen geht es nach berlin,ich berichte wie es war.
lg